Pädagogisches Konzept

Aus unserer aktuellen Konzeption haben wir auszugsweise die Abschnitte „Warum ein Waldkindergarten für mein Kind?“ und „Pädagogische Arbeit“ für Sie bereitgestellt, Informationen können auch unserem neuen Flyer entnommen werden.

 

Stellen wir uns vor,wir müssten einige Kilometer über eine
schnurgerade, ebene, hindernisfreie Betonfahrbahn gehen.
Am Ende der Strecke werden wir ermattet sein.
Wie anders wird es uns bei einer Wanderung
durch den Wald ergehen!
Da sind verschlungene Pfade. Es geht über Stock und
Stein, Wurzeln, Moss, dichtes Gebüsch, Rinnsale.
Das Licht ist dämmerig.
Du musst ganz Auge, ganz Ohr sein. Ganz Nase.
Es duftet nach Waldkräutern und Waldboden.
Seltsame Geräusche von überall her. Vogelstimmen.
Am Ende des Weges sind wir erfrischt, fast neugeboren.Was war geschehen?Im Wald war ich mit Körper, Seele und allen Sinnen
voll beansprucht.
Überall kleine Hindernisse verbundene Wagnisse.
Auf der risikolosen Betonbahn forderte
mich nichts heraus. Ich hatte nichts zu bestehen.
Ich war sozusagen überflüssig.
Das ist es, was uns kaputt macht:Die Unterschlagung unserer Fähigkeiten.
Wo kein Wagnis, da kein Gewinn.
Wo kein Spiel, da kein Leben.


Hugo Kügelhaus, 1900 – 1984

Warum ein Waldkindergarten für mein Kind?

  • Ein Aufenthalt im Wald ermöglicht aus pädagogischer Sicht für die gesamte kindliche Entwicklung förderliche Erfahrungen, die in vergleichbarer Form und Vielfalt kaum in einem anderen Umfeld gemacht werden können.
  • Erfahren von Ruhe.
  • Jedes Kind kann seinem Bedürfnis nach Ruhe und Bewegung frei nachgehen, ohne sich zu stören.
  • Bewusst Wahrnehmen und Beobachten mit allen Sinnen.
  • Die Kinder erschließen sich ihre Umwelt, indem sie im wörtlichen Sinne die Dinge begreifen.
  • Es werden im Wald alle Sinne angesprochen, die im Alltag nur wenig genutzt werden. Vieles im Alltag beruht nur auf optischen Wahrnehmungen. Eine Aneignung mit allen Sinnen führt nicht nur zu einem anderen Eindruck der Lebenswelt, sondern auch zu einer differenzierten eigenen Körperwahrnehmung.
  • Phantasie und Kreativität der Kinder wird angeregt.
  • Durch den Freiraum Wald entwickeln sich seltener Konflikte und Aggressionen.
  • Kinder können ihren Bewegungsdrang auf eine natürliche Art befriedigen. Der Wald bietet ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit, Raum zum Spielen und Erkunden, womit dem Aspekt der körperlichen Entwicklung (mit Grob- und Feinmotorik) voll Rechnung getragen wird.
  • Freiraum zu besitzen und nach eigenen Interessen zu nutzen, ist für viele Kinder eine neue und wichtige Erfahrung
  • Das Sozialverhalten und der Gemeinschaftssinn können durch den Aufenthalt im Wald positiv beeinflusst werden.
  • Der allgemeine Gesundheitszustand der Kinder verbessert sich durch die regel- mäßige Zeit im Freien
  • Die Kinder leben mehr im Wald in und mit der Natur und erleben den Wechsel der Jahreszeiten sehr direkt.
  • Die Sensibilisierung der Sinne, das Hervorrufen von Neugier und Gefühlen ermöglicht den Aufbau einer positiven emotionalen Beziehung zur Natur als Grundlage für einen späteren verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit ihr.

    Pädagogische Arbeit (Auszug)

    In unserem Waldkindergarten werden Bedingungen geschaffen, damit Kinder sich weiterentwickeln können. Aus diesem Grund wird bei uns mit dem „kind-orientierten Ansatz“ gearbeitet.

    Unser wichtigstes Ziel ist:

    Die ganzheitliche Entwicklung von Kindern zu fördern,
    als ein Dreiklang zwischen
    HERZ, HAND und VERSTAND 

    Unter anderem sind uns verschiedene Rahmenbedingungen wichtig:

    • Der Kindergarten als ein Ort ungeteilter Zeiten
      Das heißt, es gibt ein vorgegebenes Zeitraster (z.B. Anfangskreis, Vesper, Schlusskreis), dazwischen entscheiden die Kinder womit und mit wem sie sich beschäftigen. Das Spiel der Kinder hat Vorrang.
    • Bewegung und Ruhe
      Der Kindergarten als ein Ort der Lebendigkeit und Entspannung. Der Wald bietet Anregung zum Klettern, Rennen und seine eigene Kräfte entdecken, ebenso aber auch die Atmosphäre zum beobachten und sich entspannen.
    • Der Kindergarten als ein Ort des Erlebens
      Der Kindergarten ist für das Kind der zweite Erfahrungsraum nach dem Elternhaus, in welchem das Kind gruppendynamische Prozesse durchleben und standhalten muss. Es kann alleine oder in der Gruppe neue Erfahrungen sammeln: z.B. einen Ameisenhaufen mit der Lupe beobachten oder gemeinsam mit anderen auf Entdeckungsreise gehen.
    • Der Kindergarten als Ort erfahrbarer Demokratie:
      Die Kinder haben Mitspracherecht – Sie erstellen gemeinsam Gruppenregeln, die dann auch von allen eingehalten werden müssen: z.B. „Kein Kind darf dem anderen das Gebaute zerstören“. – Die Kinder müssen sich aber auch nach festen Regeln richten, z.B.: „Vom Wald wird nichts gegessen“.
    • Die Persönlichkeiten aller Kinder sollen geachtet werden
      Jedes einzelne Kind macht seine eigenen Entwicklungsschritte und wird dabei beobachtet, begleitet und unterstützt.

      Unser Spielplatz: der Wald, die Natur…

      Auszug aus unserem neuen Flyer:

      Der Wald ist (nicht nur) für Kinder voller Geheimnisse und so bildet die ‚Pädagogik des unmittelbaren Erlebens‘ auch einen wichtigen Schwerpunkt für unseren Waldkindergarten ‚Waldfüchse‘ e.V. im Karlsruher Hardtwald: in diesem fast unendlich vielseitigen und natürlichen Bewegungs- und Entfaltungsraum wird Natur und Umwelt von unseren Waldkindern hautnah erfahren. Sie lernen schon früh, was es bedeutet, mit allen Sinnen wahrzunehmen.

      Ursprüngliche, einzigartige von der Natur hervorgebrachte Spiel-, Experimentier- und Erfahrungsmöglichkeiten fördern die Kreativität und Phantasie. Großräumiges Bauen mit selbst herbeigeschafftem Material macht die Kinder selbstbestimmt und schöpferisch, so erlangen sie spielerisch Erfahrungen mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten; unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten, schiefe Ebenen, verschiedene Höhen, Möglichkeiten zum Klettern, Wippen und Balancieren machen den Spielplatz Wald zu einem optimalen psychosozialen Übungsfeld; Spielen ohne „vorgefertigtes“ Spielzeug macht Freundschaften wieder notwendig und fördert den Prozess der sprachlichen Kommunikation zwischen unseren kleinen und großen Waldkindern.

      In unserem Waldkindergarten Waldfüchse e.V. legen wir großen Wert auf tägliche Rituale in der Gruppe, denn sie strukturieren auf einfache Art das gemeinsame Miteinander. Auch die Stille, die Weite und die fast grenzenlosen Rückzugsmöglichkeiten im Wald helfen jedem einzelnen Kind sich zu entspannen und zu konzentrieren. Im Rhythmus: Die Jahreszeiten lehren Ausdauer und Anpassung, wichtige Bedingungen für reale Selbsteinschätzung und Körperbewusstsein. Ganz nebenbei wird das Immunsystem der Kinder auf natürliche Weise gestärkt: gut gerüstet trotzen unsere kleinen Waldfüchse jedem Wetter!